Das eigene Haus drucken – Contour Crafting

Für den Hausbau ist die Zusammenarbeit vieler verschiedener Fachgebiete notwendig. Vor allem für die Errichtung eines Hauses werden zahlreiche Baumaschinen eingesetzt. Alles Gründe, warum sich die Fertigstellung des Eigenheims oft in die Länge zögert und die Kosten in die Höhe schießen.

Wie wäre es denn, sein eigenes Haus zu drucken? Mit der Entwicklung von Contour Crafting sind Wissenschaftler an der University of Southern California dabei, die Vision vom Haus Drucken umzusetzen.

Contour Crafting – Das Haus drucken

Contour Crafting ist eine Technologie, die es ermöglicht, größere Gebäude aus Beton Schicht für Schicht zu errichten – ähnlich wie bei einem 3D Drucker. Hierzu ist ein CAD-Modell des kompletten Hauses notwendig. Anhand diesem wird das Haus von Konstruktionsroboter in die Höhe gebaut.

Contour Crafting - das eigene Haus drucken
Contour Crafting – das eigene Haus drucken (Quelle: contourcrafting.org)

Es müssen einzig und allein die Vorarbeiten wie das Fundament auf herkömmliche Art und Weise erstellt werden. Anschließend werden links und rechts vom Haus Schienen installiert. Auf diesen wird dann jeweils ein Contour Crafting Roboter platziert. Eine Traverse verbindet die zwei Roboter. Auf dieser befindet sich der „Druckrüssel“.

Mit den Bewegungen vor/ zurück, rechts/ links und hoch/ runter besitzt der 3D Druckroboter insgesamt 3 Achsen. Hiermit können Gebäude bis zu einer Höhe von 6 Metern errichtet werden.

Dem Druckprozess muss nur der Beton und Bauteile wie Stahlträger oder Tür- und Fensterstürze zugeführt werden. Pro Schicht fährt der Roboter zweimal. Beim ersten mal werden die äußeren Schichten einer Hohlwand gedruckt. Der zweite Druckgang bringt Beton in einer Schlangenlinie zwischen den zwei Schichten auf. Diese Linie dient der Stabilität.

Mit Hilfe eines Greifarms werden die Stürze für Fenster und Türen auf die gedruckte Wände aufgebracht. Dasselbe geschieht mit den Deckenstreben aus Stahlprofilen. Fenster und Türen werden hinterher durch Spezialisten auf herkömmliche Art und Weise eingebaut.

Der ganze Prozess soll nur einen Tag dauern.

Wie wird sich die Baubranche verändern?

Wird die Technologie serienreif, wird sich die Baubranche erheblich verändern. Man könnte gar von einer Revolution sprechen. Ob dies von Vorteil ist, darüber lässt sich streiten. Jedoch können vor allem folgende Vorteile genannt werden:

  • Senkung der Kosten
  • Senkung der Zeit bis zur Fertigstellung eines Hauses
  • Weniger Arbeitsunfälle möglich, da der Roboter die schweren und gefährlichen Arbeiten übernimmt
  • Weniger Risikopotenzial senkt auch die Kosten für Versicherungen der Bauunternehmen – Einsparungen lassen sich auf Endkunden übertragen
  • Schnelle Errichtung von Gebäuden in Krisengebieten/ Katastrophenregionen

Viele werden sich aber auch darüber Gedanken machen, dass durch das Contour Crafting wohl immer weniger Arbeiter benötigt werden. Der Entwickler von Contour Crafting, Dr. Behrokh Khoshnevis behauptet, dass nicht Arbeitsplätze abgebaut, sonder im Gegenteil aufgebaut werden.

Ich kann mir das so erklären, dass für die Entwicklung/ Forschung/ Produktion der 3D Drucker für Häuser Arbeitsplätze oder sogar ganz neue Berufe entstehen werden und somit in dieser Branche auch mehr Menschen angestellt werden. Des Weiteren können sich durch die neue Technologie mehr Menschen auf der ganzen Welt ein Haus leisten. Deshalb werden auch mehr Angestellte für den Hausbau benötigt.

Jedoch werden es zwei Berufsgruppen ganz schwierig haben – die Maurer und Zimmerer. Ihre Arbeit übernimmt zum größten Teil der Roboter.

Fazit und Ausblick

Ein Haus zu drucken ist also gar nicht so abwegig. Warum soll, was in klein funktioniert, nicht auch in groß oder ganz groß funktionieren? Die Baubranche wird sich durch die 3D Drucker für Häuser auf jeden Fall verändern. Für die einen sicher zum Nachteil, aber für viele vor allem zum Vorteil. Noch ist es nicht so weit. Die Forschung und Entwicklung wird noch eine Weile dauern, ehe die ersten Häuser auf Knopfdruck aus dem 3D Drucker kommen.

Und die, die sich schon heute Sorgen machen – es gibt noch so viele alte Häuser, die immer wieder renoviert werden wollen. Vor allem denkmalgeschützte Gebäude. Und eine neue Technologie heißt nicht, dass jeder auf den Zug aufspringt. Die Bauweise beim 3D gedruckten Haus ist speziell, die nicht jeder mögen wird.

Wie stehst du zum Contour Crafting System? Würdest du dir ein solches Haus drucken? Ich freue mich auf deine Antwort!

Über Stefan Reinsprecht 148 Artikel

Hi, ich bin Stefan Reinsprecht, der Herausgeber von Netzkonstrukteur. Als Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Erfahrung in der Konstruktion und Entwicklung interessiere ich mich sehr für technische Dinge. Hier erfährst Du Neuigkeiten, aber auch Grundlagen. Viel Spaß beim Lesen.
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