Die Energiewende in Deutschland

Stromnetze fehlen oder sind veraltet - Die Energiewende in Deutschland
Stromnetze fehlen oder sind veraltet (Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de)

Warum müssen Windkraftanlagen abgeschaltet werden? Warum entstehen Bürgerinitiativen gegen den ökologischen Umbau der Energieversorgung in Deutschland? Warum muss der kleine Bürger sich finanziell so sehr an der Energiewende beteiligen?

Fragen, die zum Teil sehr paradox zu erklären sind. Der Strompreis wird an der Leipziger Strombörse gehandelt. Hierzu muss man verstehen, wie die EEG-Umlage (EEG = Erneuerbare Energien Gesetz) funktioniert. 

Die EEG-Umlage und ihre Auswirkungen

Produzenten von Ökostrom (Energie aus Windkraft, Wasserkraft oder der Sonne) erhalten für ihre Energie eine feste Vergütung. An der Börse wird diese Vergütung mit dem aktuellen Strompreis verglichen. Entsteht eine Differenz von Vergütung zu Börsenpreis, wird diese über die EEG-Umlage ausgeglichen. Je mehr Ökostrom produziert wird, desto billiger wird der Strom an der Börse gehandelt. Die Schere geht also auseinander und somit steigen die EEG-Kosten, die alle Verbraucher über den Haushaltsstrompreis finanzieren. Der Effekt wird dadurch begünstigt, dass der Bund den produzierten Strom jeder neuen Ökostromanlage für 20 Jahre fördert. Das lässt diese Anlagen natürlich sehr interessant für Investoren werden.

Je mehr Wind-, Wasser- oder Solarstrom, desto teuerer wird der Strompreis für uns Verbraucher.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat die Idee einer Strompreisbremse. Damit will er verhindern, dass die Kosten exorbitant hoch werden. Doch die Länder haben sich bisher nicht einigen können.

Neue Stromnetze braucht das Land

Das wohl größte Problem in Deutschland sind die fehlenden und veralteten Stromnetze. Große Windparks stehen im Norden des Landes und die größten Stromkonsumenten sitzen dagegen im Westen und Süden. D.h., es muss der Ökostrom über Netze zu den Hauptverbrauchern transportiert werden.

Die deutsche Energie-Agentur hält es für nötig, 4300 Kilometer neue Leitungen zu errichten. Diese sollen von den vier großen Stromnetzbetreiber finanziert werden. Und hier kommt der nächste Strompreis hebende Aspekt: Die Netzbetreiber legen die Kosten für die Netzausbau auf die Stromverbraucher um.

Je mehr neue Hochspannungsleitungen gebaut werden, desto teurer wird der Strompreis, da die Kosten auf uns Verbraucher umgelegt werden.

Die Postbank hat für 2013 errechnet, dass sich die Strompreise für Privathaushalte um etwa zehn Prozent erhöhen. Dies liegt auch daran, dass viele deutsche Unternehmen von der EEG-Umlage befreit sind. Sehr stromintensive Unternehmen können sich befreien lassen, damit sie im internationalen Wettbewerb weiterhin mithalten können und durch die steigenden Strompreise nicht untergehen. Kritisch zu betrachten ist die Tatsache, dass diese Ersparnis auch viele Betriebe in Anspruch genommen haben, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen.

Jeder will die Energiewende, aber keiner will davon betroffen sein

Fast jeder ist für erneuerbare Energien und für die Energiewende, aber keiner möchte Windkrafträder oder Hochspannungsleitungen für den Stromtransport in der Nähe seines Hauses stehen haben. Es kommt zum Konflikt mit vielen Bürgern. Natürlich auch verständlich. Vielerorts werden Bürgerinitiativen gegründet, die sich gegen die Pläne der Energiewende stemmen.

  • Bürgerinitiativen sehen die Landschaften verschandelt
  • Naturschützer sind gegen den Bau neuer Stromtrassen
  • Klimaschützer sind einerseits dafür, andererseits dagegen, wenn es z.B. um den Bau von Pumpspeicherbecken geht
  • Bauern, Wald- und Grundbesitzer haben Angst um ihr Eigentum

Eine Lösung hierfür wäre die unterirdische Verlegung neuer Stromkabel. Aber auch dafür Differenzen, die auftreten. Die großen Stromnetzbetreiber möchten nicht mehr für die Kosten aufkommen, die der Netzausbau mit sich bringt. Sie wollen keine neuen Schulden mehr aufnehmen. Auch bei unterirdischen Stromtrassen muss in die Landschaft eingegriffen werden. Es müssen Schneisen geschlagen werden, Naturschutzgebiete, Straßen, Städte, usw. durch- oder umgangen werden.

Wir sind also noch weit davon entfernt, eine geeignete Lösung zu finden, mit der jeder leben könnte. Auch von der Politik ist nicht mehr mit vielem zu rechnen. Dieses Jahr im September stehen die Bundestagswahlen an und davor wird sich niemand mit Kompromissen begnügen.

Über Stefan Reinsprecht 148 Artikel
Hi, ich bin Stefan Reinsprecht, der Herausgeber von Netzkonstrukteur. Als Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Erfahrung in der Konstruktion und Entwicklung interessiere ich mich sehr für technische Dinge. Hier erfährst Du Neuigkeiten, aber auch Grundlagen. Viel Spaß beim Lesen. Du findest mich auf Google+, Twitter oder Xing.

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