Dynamischer Stuhl bringt wieder mehr Bewegung in die Arbeit

Ein großer Nachteil unserer westlichen Gesellschaft ist, dass wir beim Arbeiten immer mehr sitzen. Viele Tätigkeiten werden immer häufiger von neuen Technologien abgelöst. Wir sitzen nur da und bedienen sie. Was sich bequem anhört, ist vor allem für unseren Körper auf Dauer von Nachteil. Ein Student hat nun einen dynamischen Stuhl entwickelt, der wieder mehr Bewegung in unseren Arbeitsalltag bringen soll.

Dynamischer Stuhl "Segretation Of Joy"
Dynamischer Stuhl „Segretation Of Joy“ (Quelle: govertflint.com)

Mit dem Stuhl den Mauszeiger bedienen

Vielleicht geht es Dir auch so und Du sitzt hauptsächlich an deinem Arbeitsplatz. Der menschliche Körper ist jedoch nicht für das Sitzen ausgelegt. Zu langes und vor allem statisches Sitzen führt über kurz oder lang zu Rückenschmerzen. Wer dabei nicht auf ergonomische Bürostühle wert legt, wird dies auf jeden Fall irgendwann zu spüren bekommen.

Dynamisches Sitzen heißt die Lösung. Ergonomische Stühle unterstützen dies, indem die Rückenlehne und oft auch simultan der Sitz über eine Feder nach hinten neigbar ist. Einige Hersteller bieten sogar Wippmechaniken an, die in mehrere Ebenen beweglich sind.

Der Student Govert Flint an der Design Academy Eindhoven hat sich dieses Problem in seiner Abschlussarbeit zu Herzen genommen. Zusammen mit Sami Sabik hat er den dynamischen Stuhl „Segretation Of Joy“ entwickelt. Der Nutzer hat dabei die Freiheit, den Stuhl in allen möglichen Richtungen zu bewegen. Die Idee bei dem Projekt war, körperliche Bewegungen mit digitalen Funktionen zu verknüpfen.

Der bionische Exoskelett erlaubt es dem Nutzer durch seine Bewegungen mit dem ganzen Körper den Mauszeiger am Computerbildschirm zu bewegen.

Der Rahmen besteht aus einzelnen zusammen geschweißten Rohrprofilen. Der Sitz, Rücken und die Polsterung an den Beinen sind aus Polyester, welche mit Wolle überzogen sind. Drei Beschleinungsmesser an den Drehachsen des dynamischen Stuhls messen die Bewegungen in X-, Y- und Z-Richtung. Die Daten werden anschließend mit Kabeln an einen Computer übertragen. Sami Sabik hat die Software geschrieben, welche die Bewegungen des Körpers in die entsprechenden Bewegungen des Mauszeigers transformieren.

Mit den Bewegungen des ganzen Oberkörper wird der Cursor der Maus nach rechts, links, oben und unten bewegt. Wird der rechte Fuß nach vorne gedrückt, so wird dem Curser der Befehl „Rechtsklick“ gegeben. Dementsprechend funktioniert der „Linksklick“ mit dem linken Fuß.

Im Video von Ziggy Pictures siehst Du ein paar der Stühle, wie sie in den Arbeitsalltag integriert werden könnten.

Anwendungsmöglichkeiten und Aussichten

Bisher funktioniert der bionische Stuhl nur für die Steuerung des Mauszeigers. Govert möchte jedoch in weiteren Entwicklungen zusammen mit Software-Entwicklern arbeiten. Auch die Tastatur soll in sein Bewegungskonzept mit eingebunden werden.

So könnten bald ganze Programme entstehen, die vor allem mit Hilfe von dynamischen Bewegungen gesteuert werden.

Govert hat in seiner Arbeit auch davon berichtet, dass körperliche Bewegung in Relation mit unseren psychischen Gesundheit steht. Jeder weiß, dass Sport das beste Mittel gegen Depressionen ist. Warum sollten wir also nicht wieder mehr Bewegung an unseren Arbeitsplatz bringen? Immer mehr durch neue Technologien erledigen zu lassen und nur noch überwachend daneben zu sitzen, ist auf Dauer nicht die beste Wahl.

Der dynamische, multifunktionale Stuhl ist also eine Entwicklung, die auf jeden Fall unserer Gesundheit zu Gute kommen würde.

Welche Anwendungsmöglichkeiten könntet Ihr Euch für den Stuhl vorstellen? Ich freue mich auf Eure Kommentare. Ich könnte mir den Stuhl aufgrund der Gestensteuerung sehr gut als Virtual Reality Anwendung vorstellen.

Über Stefan Reinsprecht 148 Artikel
Hi, ich bin Stefan Reinsprecht, der Herausgeber von Netzkonstrukteur. Als Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Erfahrung in der Konstruktion und Entwicklung interessiere ich mich sehr für technische Dinge. Hier erfährst Du Neuigkeiten, aber auch Grundlagen. Viel Spaß beim Lesen. Du findest mich auf Google+, Twitter oder Xing.

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