Größte Offshore-Windkraftanlage vor der Küste Belgiens im Test

Alstom Haliade 150-6MW
Alstom Haliade 150-6MW (Quelle: alstom.com)

In der Nähe von Ostende, 45km vor der belgischen Küste, ist die größte Offshore-Windkraftanlage der Welt im Test. Die Haliade 150-6MW ist eine Entwicklung von Alstom. Ein Hersteller von Windkraftanlagen, die sich auf Offshore-Windkraftanlagen spezialisiert haben. Die Anlage ist an die teilweise schwierigen maritimen Bedingungen optimal angepasst.

Wenn sie die Tests besteht, was bisher sehr gut aussieht, soll sie im regulären Einsatz 5.000 Haushalte mit Strom versorgen. 150m Durchmesser sind eine beachtliche Größe. Da stellt sich die Frage, ob bei Windkraftanlagen irgendwo Grenzen gesteckt sind?

Daten und Fakten zur Offshore-Windkraftanlage

Die Haliade 150-6MW Offshore-Windkraftanlage ist speziell für die Gegebenheiten, die auf dem Meer vorherrschen, entwickelt. Die meisten Offshore-Windräder basieren auf Techniken, wie sie auch auf Land, also Onshore eingesetzt werden und werden für den maritimen Einsatz nur angepasst.

Offshore-Windkraftanlagen haben besondere Herausforderungen zu meistern. Aber vor allem die Zuverlässigkeit sowie Wartungsfreundlichkeit sind besonders zu nennen. Auf maritimer Umgebung sind dies zwei wichtige Eigenschaften, die von der Anlage ausgehen sollte. Alstom hat sich auf solche Lösungen spezialisiert und mit der Haliade 150-6MW ein Leuchtturmprojekt entwickelt.

  • Die Windkraftanlage besitzt kein Getriebe – der durch Permanentmagneten erregte Generator wird direkt angetrieben
    • Gewichtseinsparung durch weniger rotierende Teile (Gondel wiegt 400 t)
    • höhere Zuverlässigkeit und dadurch geringere Wartungskosten
  • ALSTOM PURE TORQUE®-Technologie, die die resultierende Biegebeanspruchungen aus dem Wind auf den Turm ableiten – Leistungsoptimierung
  • Der Durchmesser beträgt 150m
  • Die Rotorblätter sind 73,5m lang
  • Die Kreisfläche beträgt 17.662,5m²
  • Die Anlage erzeugt etwa 15% mehr Energie und bis zu 40% mehr Energie pro Kilogramm verwendeter Werkstoff zu vergleichbaren Windrädern
  • Deckung des Energiebedarfs von 5.000 Haushalten

Aussichten – Gibt es Grenzen bei Windkraftanlagen?

Seit Herbst 2013 ist Haliade 150-6MW im Testeinsatz vor der belgischen Küste. Dort wird sie auf Herz und Nieren getestet. Parallel investiert Alstom in Frankreich in die Produktion der neuen Offshore-Windkraftanlage.

In einem Interview von Energie & Management online mit Markus Rieck, dem Geschäftsführer der Alstom Renewable Germany GmbH, sagte dieser:

Wir bauen derzeit eine neue Fertigungsstätte in Frankreich, in der wir jährlich mehr als 100 Windkraftanlagen des Typs Haliade 150-6MW produzieren können. Außerdem ist für 2015 eine Blatt- und Turmfertigung geplant. Das heißt, wir reden nicht nur, sondern wir handeln. Das schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren.

Europa liegt weltweit mit 90% Marktanteil an führender Stelle, wenn es um Offshore-Energie geht. Laut Rieck soll 2016 die erste Haliade Windkraftanlage in Offshore-Windparks in Deutschland zu finden sein.

Die Größe der Anlage ist enorm. Da die Leistung durch die Oberfläche steigt, sollte ja für die Hersteller von Windkraftanlagen das Ziel sein, immer größere Anlagen zu bauen. Aber gibt es womöglich irgendwo Grenzen? Ja, die gibt es.

  • Naturgesetze
    Je größer die Windkraftanlagen, desto größer wird die durch die Rotorblätter erzeugte Oberfläche. Diese steigt in der zweiten Potenz. Das Volumen der Blätter steigt jedoch in der dritten Potenz. Die Anlagen würden also immer schwerer werden. Entwicklungen im Leichtbau ermöglichen immer größere Anlagen. Sie stoßen jedoch langsam an ihre Grenzen.
  • Luftfahrt – Gebäude dürfen nicht beliebig oder unendlich hoch sein
    Die Luftfahrtbehörde verbietet es, Gebäude in beliebiger Höhe zu bauen, da sie einen Eingriff in den Flugverkehr bedeuten.
  • Kosten
    Die Kosten für Kräne, die zum Aufbau der Windkraftanlagen benötigt werden, steigen ins Unermessliche. Für jede Anlage würde man neue und noch größere Kräne benötigen.
    Auch die Kosten für die Produktion von immer größeren und leichteren Anlagen würden in die Höhe schießen. Vor allem durch die Herstellung der ultraleichten Materialien.
  • Eingriff in die Natur
    Schon heute bilden sich immer wieder Bürgerinitiativen gegen die Errichtung von Windparks. Es ist eine Tatsache, dass die Windkraftanlagen einen erheblichen Eingriff in das Erscheinungsbild der Landschaft bedeuten. Sollen die Anlagen noch größer werden, werden womöglich auch die Bürgerinitiativen größer, was jeder verstehen kann. Oder hättest du gerne eine Windkraftanlage mit 200m Durchmesser hinter deinem Haus stehen?
Über Stefan Reinsprecht 148 Artikel
Hi, ich bin Stefan Reinsprecht, der Herausgeber von Netzkonstrukteur. Als Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Erfahrung in der Konstruktion und Entwicklung interessiere ich mich sehr für technische Dinge. Hier erfährst Du Neuigkeiten, aber auch Grundlagen. Viel Spaß beim Lesen. Du findest mich auf Google+, Twitter oder Xing.

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