Solid Edge ist ein vollständiges hybrides 2D/ 3D CAD-System. Durch die Einführung der Synchronous Technology kann es besonders effektiv und effizient für die Konstruktion im Maschinenbau eingesetzt werden. Solid Edge stammt von Siemens PLM Software, dem weltweit führenden Anbieter von Software für Product Lifecycle Management (PLM). Wie die meisten CAD-Systeme, läuft auch Solid Edge ausschließlich unter Windows. Die aktuelle Version lautet Solid Edge ST7 und ist seit dem Juli 2014 auf dem Markt.

Ursprünglich wurde Solid Edge 1995 von Intergraph entwickelt. Im Jahre 1998 wurde es dann von UGS Corporation übernommen und bekam einen neuen Modellierkern – den Parasolid-Kern. 2007 entschied die Siemens AG, das Unternehmen UGS in ihr Geschäftsgebiet Industry Automation aufzunehmen und es gleichzeitig in Siemens PLM Software Inc. umzubenennen.

Maschine für die Holzverarbeitungsbranche - konstruiert mit Solid Edge
Maschine für die Holzverarbeitungsbranche – konstruiert mit Solid Edge (Quelle: Siemens/ Doucet Machineries Inc.)

Für wen ist Solid Edge geeignet?

Solid Edge ist eine hochproduktive CAD-Lösung für mittelständische Unternehmen. Im Gegensatz zu dem High-End Produkt NX, welches als Gesamtlösung eher für Großkunden gedacht ist, ist Solid Edge auf einen breiten Markt ausgelegt, einfach zu erlernen und außerdem erschwinglich.

Mittlerweile wird das CAD-System nicht nur in einer Voll-Lizenz angeboten, sondern es gibt auch flexible Modelle für Lizenzen. So können beispielsweise diese beispielsweise auch zeitlich gemietet werden.

Seit der Kooperation mit Local Motors, die das Fahrzeug „Rally-Fighter“ entwickelt haben, bietet Siemens PLM Software auch eine Version für 20 US-Dollar/ Monat an – Design One. Mit ihr wollen sie die aufkommende Maker-Generation und Hobbybastler erreichen.

Für Schüler und Studenten gibt es eine kostenlose Version zum freien Download. Diese ist jedoch nicht mit der Original-Lizenz kompatibel. Daten der kommerziellen Version können mit der Studentenversion geöffnet werden, jedoch nicht anders herum.

Direkte Konkurrenten sind SolidWorks und Autodesk Inventor. Die Besonderheit zu anderen Systemen ist vor allem die Synchronous Technology ST.

Basis Module und Funktionen von Solid Edge

  • Part – Teilemodellierung (.par)
  • Sheet Metal – Blechteilmodellierung und Abwicklung (.psm)
  • Assembly – Baugruppen und Konstruktion im Zusammenbau (.asm)
  • Weldment – Umgebung zum Schweißen (.pwd)
  • Draft – Ableitung und Erstellung von technischen Zeichnungen (.dft)
  • Synchronous Technology ST (siehe unten)
  • weitere Module sind abhängig von der Lizenz

Die Benutzeroberfläche von Solid Edge ist im Stil von Office 2007 gehalten. Hierdurch wird die Arbeit intuitiver gestaltet, da die meisten mit dieser Oberfläche schon vertraut sind.

Die Verwaltung der Daten geschieht über Microsoft Share Point. Dies ermöglicht das einfache Speichern und Abrufen der Solid Edge-Dateien und Konstruktionsdaten. Share Point bietet eine visuelle Verwaltung an. Alternativ können auch andere PLM-Systeme verwendet werden.

Nützliche Funktionen sind:

  • Live Rules
    Solid Edge sucht nach dominanten geometrischen Bedingungen und behält sie, ohne dass diese durch Beziehungen festgelegt wurden. Dies ermöglicht eine Modellierung ohne Beschränkungen, aber unter der Beibehaltung gewünschten geometrischen Bedingungen.
  • Procedural Features
    Dies ermöglicht parameterbasierte Änderungen ohne die erneute Berechnung und Erzeugung nicht betroffener Geometrie. Ergebnisse sind sofort nach der Änderung sichtbar.
  • Schnelle Änderungen mit dem Steuerrad
    Wird eine Fläche ausgewählt, erscheint ein Steuerrad. Mich diesem lässt sich die Geometrie direkt verschieben, drehen oder neu ausrichten. So kann sehr schnell Material abgezogen oder hinzugefügt werden.
  • Tabellen- und formelbasierte Konstruktion
    Über diese Funktion können parametrische Modelle anhand einer vorgegebenen Tabelle erstellt werden (z.B. Zahnräder in verschiedenen Varianten).
  • Bildschirmvideos aufzeichnen
    Mit dieser Funktion können Videos vom Bildschirm inklusive Ton aufgezeichnet werden und anschließend als Lehrvideos im Unternehmen verwendet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, die Videos auf YouTube zu veröffentlichen.

Synchronous Technology von Solid Edge

Bei der üblichen historienbasierten und parametrischen Modellierung wird ein 3D Modell mit einer Skizze begonnen. Anschließend wird aus dieser ein dreidimensionales Objekt erstellt (Extrusion, Rotation). Jede weitere Features (Bohrung, Tasche, Radius, etc.) basiert immer auf der vorangegangen und wird überwiegend mit weiteren Skizzen gesteuert. Wenn Änderungen an einem Modell vorgenommen werden müssen, muss zuerst die zuständige Funktion im Historienbaum gesucht werden. Wird diese dann geändert, so werden alle nachgelagerten Funktionen des Historienbaums neu berechnet – Eltern-Kind-Beziehungen der Konstruktionselemente.

Bei der direkten Modellierung erfolgt die Konstruktion mit geometrischen Formen, ohne dabei auf spezielle Funktionen, Randbedingungen oder Konstruktionsabsichten zu achten. Erstellte Modelle lassen sich direkt an ihrer Geometrie ergreifen, ziehen und verschieben, um daran Änderungen vorzunehmen. Es muss also nicht berücksichtigt werden, wie die Geometrie erzeugt wurde – keine Eltern-Kind-Beziehungen. CAD-Systeme mit direkter Modellierung sind also wesentlich flexibler und können intuitiv erlernt werden.

Die Synchronous Technology verbindet die parametrische mit der direkten Modellierung. So können parametrische Beziehungen direkt im dreidimensionalen Modell hinterlegt und beeinflusst werden, ohne dafür eine 2D-Skizze anzufertigen. Dabei analysiert Solid Edge die Geometrie, aber steuert nicht die einzelnen Features. Die Synchronous Technology funktioniert sowohl bei eigenen CAD Modellen als auch bei importierten Modelle anderer CAD-Systeme und mit neutralen CAD-Formaten (IGES, STEP, JT).

Damit verfügt Solid Edge über die Schnelligkeit und Flexibilität von Direct-Modelling-Systemen, aber mit der Kontrolle von parametrischen Systemen. Die Synchronous Technology steht bisher für Part, Sheet Metal und Assembly zur Verfügung.

Die Performance steigt bei Verwendung der bisherigen Hardware (bis zu 100-mal schneller). Auch die Dateigrößen werden kleiner (bis zu einem Siebtel der ursprünglichen Dateigröße), was vor allem für größere Baugruppen von Vorteil ist.

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