The Ocean Cleanup – 19-Jähriger säubert Meere vom Plastik

Wer schon mal tauchen war oder einfach nur am Strand spazieren gegangen ist, kann erahnen, wie viel Müll in unseren Meeren treiben muss. Der 19-Jährige Boyan Slat will mit seiner Entwicklung „The Ocean Cleanup“ die Meere in nur fünf Jahren vom Plastik befreien.

The Ocean Cleanup - der 19-Jährige Boyan Slat
The Ocean Cleanup – der 19-Jährige Boyan Slat (Quelle: theoceancleanup.com)

Das Problem und die Idee – The Ocean Cleanup

Boyan Slat ist ein leidenschaftlicher Taucher. Im Urlaub machte er die Entdeckung, dass ihm mehr Plastikteilchen um den Kopf schwammen als Fische. Jährlich sterben zahlreiche Tiere an unserem Plastikmüll. Sie verwechseln ihn als Nahrung und müssen qualvoll verhungern, da er ihren Verdauungstrakt verstopft. Andere bleiben in Netzen aus Plastik hängen und werden von ihm gefangen.

Plastik zersetzt sich in der Natur über und vor allem im Meer in immer kleinere Partikel. Diese werden letztendlich von den Lebewesen anstelle von Nahrung aufgenommen und gelangen über diesen Weg auch in unsere Nahrungskette. Gesundheitsschädliche Stoffe, die krebserregend sind, sind somit immer häufiger in unseren Lebensmitteln zu finden.

Aus dieser Gegebenheit entstand Boyans Idee – The Ocean Cleanup. 2011 begann er und ein Schulfreund gemeinsam mit Forschungen über Plastikmüll in unseren Meeren.

Why move through the oceans, if the oceans can move through you?

„Warum zu den Meeren gehen, wenn die Meere auf natürlichem Wege zu einem kommen?“ – So ein Zitat von Boyan.

The Ocean Cleanup nutzt den natürlichen Driftstrom der Weltmeere. In den fünf großen Driftströmen will er jeweils einen riesigen schwimmenden Filter platzieren. Dieser wird mit Anker an Ort und Stelle festgehalten. Durch den Driftstrom, der besonders starlk an der Oberfläche ist, gelangt der Plastikmüll auf natürlichem Wege zu den Filtern.

Dort wird er durch die Fangarme gebündelt und letztendlich aus dem Meer gefiltert. Das gefilterte Plastik kann anschließend verkauft und wieder recycelt werden. So würde das Projekt mehr Geld einnehmen als verschlingen. In fünf Jahren sollen insgesamt 7,25 Mio. Tonnen Plastik aus dem Meer gefischt werden.

Betrieben werden soll das Projekt mit erneuerbarer Energie aus Solarzellen und Wellengeneratoren. Davon spricht Boyan in seinem TEDx-Talk in folgendem Video.

Kritik am Projekt

Wer sich ein bisschen genauer mit dem Projekt von Boyan Slat beschäftigt und im Internet recherchiert, findet auch einige kritische Stimmen. Sicherlich nicht unberechtigt. Auch ich möchte einige kritische Aspekte anbringen:

  • Wie groß ist ein Filtersystem?
    Auf der Website von The Ocean Cleanup erhält man zwar einige Informationen, jedoch nicht viele technische. Die Driftströme besitzen riesige Durchmesser. Müssten die Fangarme dann so groß wie ein Radius eines Driftstromes sein?
  • Die Meere sind tief, sehr tief
    Der Filter soll an Ort und Stelle verankert werden. Teilweise sind die Meere an den Driftstromstellen über 4000m tief. Wie viele Anker müssen verwendet werden und wie sieht ein solcher Anker aus?
  • Die Schifffahrt würde behindert
    Wenn riesige Filteranlagen im Meer verankert wären, müssten wohl einige Schifffahrtrouten umgeplant werden. Schiffe müssten viele Seemeilen Umweg machen, um den Filtern auszuweichen.
  • Die Driftströme sind auf der ganzen Welt verteilt
    The Ocean Cleanup Projekt ist ein Projekt, bei dem alle Beteiligten mitmachen müssen. Es ist ein politisches Projekt. Werden alle Länder für das Projekt stimmen und jenem das OK geben?
  • Die Barrieren/ Fangarme werden mit Leben bevölkert sein
    Man sieht es an gesunkenen Schiffen, Korallen, Muscheln und andere Meeresbewohner besiedeln im Laufe der Zeit die Wracks. So wird es auch mit den Barrieren, bzw. Fangarmen sein. Von der Barriere, die ins Meer ragt, gibt es keine genauen Beschreibungen. Nur, dass es kein Netz ist und Fische hindurch, bzw. darunter weg schwimmen können. Dennoch werden auch diese besiedelt werden. Im Laufe der Zeit verliert das System also seine Effizienz, da der Plastikmüll wohl an dem neuen Ökosystem hängen bleibt.

Projekt benötigt Finanzierung von 2 Mio US Dollar

Boyan Slat und sein Team haben auf ihrer Website ein Crowdfunding-Projekt gemacht. Für die Umsetzung von The Ocean Cleanup benötigen sie insgesamt 2 Mio. US Dollar. Mehr als ein Drittel sind schon finanziert und die Finanzierungszeit dauert noch über 80 Tage. Es verspricht also ein erfolgreiches Projekt zu werden.

Trotz aller Kritik am Projekt, befürworte ich es auch. Jedes Kilogramm weniger Plastik in unseren Meeren ist ein enorm wichtiges Kilogramm. Forscher sind zwar schon lange dran, die Beseitigung des Plastikmülls zu bewerkstelligen und haben auch schon einige Lösungen dafür entwickelt, aber es gelang noch kein Durchbruch.

Leider scheitern auch viele Projekte an den fehlenden Unterstützern, bzw. an seinen Kritikern. Vielleicht sollte man einfach mal machen und nicht so viel diskutieren? Ich würde mich darüber freuen, wenn The Ocean Cleanup erfolgreich finanziert würde und Boyan und sein Team Lösungen für die aufgeführte Kritik, bzw. Fragen findet.

Lassen wir uns überraschen. Mitte September 2014 wissen wir mehr (siehe Update unten).

Dennoch ist das Projekt nur eine Linderung der Symptome, wie man so schön sagt. Wir müssen beginnen, die Ursachen zu beseitigen. Nach Schätzungen des Umweltamts der Vereinten Nationen gelangen jährlich mehr als 6,4 Mio. Tonnen Müll in unsere Ozeane.

Plastik ist überall. Wir kommen heute fast nicht mehr ohne Plastik aus. Dies merken wir sofort, wenn wir mal versuchen, im Supermarkt Dinge ohne Plastik einzukaufen. Schon mal ausprobiert? Es ist unmöglich. Alles ist in Plastik eingepackt – fast alles. Ich fasse mir dabei auch an die Nase, wenn ich an den unnötigen Plastikkonsum denke. Auch meine neueste Leidenschaft, das 3D Drucken kommt nur mit Plastik/ Kunststoff aus. Was ich jedoch sehr begrüße, ist die Entwicklung von Filament mit organischen Materialen wie z.B. Holz (LAYWOOD).

Was hältst Du vom Projekt, die Meere innerhalb fünf Jahre vom Plastik zu befreien? Siehst Du es auch kritisch oder unterstützt Du es sogar? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Update – The Ocean Cleanup wurde erfolgreich finanziert

Das Projekt „The Ocean Cleanup“ wurde erfolgreich finanziert. Insgesamt sind bis Mitte September 2,1 Mio. Dollar zusammen gekommen. Nun beginnt die Pilotphase des Projektes. Boyan Slat und sein Team initiieren eine nachhaltige Zusammenarbeit mit Unternehmen. Darüber hinaus werden umfangreiche Tests gemacht, die das Ziel haben, das Projekt in 3 bis 4 Jahren Schritt für Schritt erfolgreich umzusetzen.

Über Stefan Reinsprecht 148 Artikel
Hi, ich bin Stefan Reinsprecht, der Herausgeber von Netzkonstrukteur. Als Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Erfahrung in der Konstruktion und Entwicklung interessiere ich mich sehr für technische Dinge. Hier erfährst Du Neuigkeiten, aber auch Grundlagen. Viel Spaß beim Lesen. Du findest mich auf Google+, Twitter oder Xing.

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